Wie ich auf anderen Blogs unserer Klasse gelesen habe, ist das Leben und das Tagebuch der Anne Frank schon bestens dokumentiert.
Falls Ihr euch also für das Leben und die Leidensgeschichte Anne Franks interessiert, bitte ich euch, bei
Sosos (http://annefrankgeschichte.blogspot.co.at/) oder
Katrins (http://2wkgeschichte.blogspot.co.at/) Blog
mehr zu erfahren, denn bei beiden ist das Leben Anne Franks sehr gut und ausführlich beschrieben.
Trotzdem werde ich das Tagebuch der Anne Frank als Hörbuch noch zu Ende hören und dann meine Gedanken dazu ausarbeiten.
In der Zwischenzeit habe ich aber auch schon ganz interessante Seiten gefunden über ähnliche Schicksale dieser schrecklichen Zeit.
In dem Buch "Versteckt wie Anne Frank: Überlebensgeschichten jüdischer Kinder" geschrieben von Marcel Prins und Peter Henk Steenhuis, bin ich auf die Lebensgeschichte von Rita Prins-Degen gestoßen:
Rita Degen kam am 25. Dezember 1936 in Amsterdam zur Welt. Ihre Mutter, Bertha, arbeitete als Buchhalterin und ihr Vater Frits als Vertreter bei einem Schreibwarengeschäft. Im Sommer 1942 arbeitete er kurz beim jüdischen Rat und musste als Ordnungshüter bei einem der ersten Abtransporte jüdischer Menschen Wache halten. Was er dort sah, fand er so erschreckend, dass er sicher war, dass die Deportation den Tod bedeutete. Frits Degen organisierte für alle Familienmitglieder und die ganze Verwandtschaft Adressen zum Untertauchen. Im August 1942 entschieden sich Frits und Bertha, mit Rita unterzutauchen. Rita wurde mit knapp 6 Jahren bei Frits Degens Arbeitgeber Walter Lorje in Amsterdam untergebracht. Dort hatte es Rita nicht leicht. Sie wurde von ihrem Untertauchvater gewarnt, niemals zu sagen, dass sie bald sechs werden würde, denn ab sechs Jahren mussten alle jüdischen Kinder den Judenstern tragen. Dies machte Rita sehr traurig, denn sie freute sich schon auf ihren sechsten Geburtstag. Immer wenn Tante Loes, eine Cousine der Untertauchmutter, zu Besuch kam, musste Rita zum Spielplatz gehen und dort warten, bis die Luft zu Hause wieder rein war. Ihr wurde auch eingetrichtert, dass sie, sollte sie jemals Tante Loes begegnen, sagen sollte, ihr Name sei Rietje Houtman und sie sei eine Nachbarin. Eines Tages aber lief Rita Tante Loes trotz aller Vorsichtsmaßnahmen über den Weg und diese schöpfte Verdacht.
Große Panik ergriff die ganze Familie Lorje, sofort wurden die Koffer gepackt und Rita wurde zu jemandem vom Widerstand gebracht, der sie zu einer sichereren Adresse nach Hengelo bringen sollte. Rita kam zu Tante Marie und Onkel Kees Fonds, welche sie sehr liebevoll in ihre Familie aufnahmen. Ab jetzt hieß sie Rietje Fonds. Rita bekam ein wunderschön eingerichtetes Kinderzimmer und glaubte eine lange Zeit, das Zimmer sei für sie vorbereitet gewesen. Erst viel später erfuhr sie dann, dass Tante Marie und Onkel Kees das Zimmer hergerichtet hatten, um irgendein jüdisches Kind aufzunehmen, das untertauchen musste. Rita aber gaben sie das innige Gefühl, sie hätten auf sie gewartet und sich auf sie gefreut. Rita zweifelte nämlich keine Sekunde daran, dass sie nicht wirklich erwünscht war. Und das war gut so. Rita fühle sich hier richtig Zuhause und durfte sogar im Garten spielen. Aber zur Schule gehen wie alle anderen Kinder durfte sie nicht, sie bekam Privatunterricht. Tante Marie bekam einen kleinen Jungen, namens Wim. Für Rita war er ihr kleiner Bruder und sie liebte ihn über alles. Tante Marie, Rita und der kleine Wim mussten sich oft unter der Treppe verstecken, da die Stadt Hengelo von den Engländern bombardiert wurde. Anfang 1944 wurde die ganze Familie nach Amsterdam evakuiert, gerade noch rechtzeitig, denn eine Woche später fiel eine Bombe auf das Haus in Hengelo. In Amsterdam durfte Rita zum ersten Mal zur Schule gehen, denn in Amsterdam gab es zu dieser Zeit so viele neu zusammengestellte Haushalte, dass niemand sich mehr um die genauen Verwandtschaftsverhältnisse kümmerte. Dieser Zustand dauerte aber kaum sechs Monate. Rita begann zu verstehen, was es hieß, Jüdin zu sein, denn ihr Freund Danny Pieterse verschwand eines Tages von Zuhause und kam nicht mehr zur Schule. Die Schule wurde geschlossen, es gab kein Heizholz und keine Nahrung mehr. Rita ging den ganzen Tag auf die Straße nach der Suche nach etwas Essbarem. Oft stand sie mit ihren langen, blonden Zöpfen vor der Kaserne der Wehrmacht und wartete, bis sie von einem Soldaten ein Stück Brot oder eine Möhre bekam. Alle mussten hungern und frieren. Tante Marie wurde wieder schwanger und Rita nahm sich vor, für sie zu sorgen, bis das Baby zur Welt kam. So suchte sie auf der Straße nach Heizmaterial und Essen, oftmals stahl sie auch kleine Leckerbissen auf dem Markt. Rita wurde nach dem Verschwinden von Danny klar, dass komische Dinge passieren konnten, wenn man Jude war. Sie wusste aber nichts über das religiöse Judentum, denn sie wurde von den Fonds evangelisch erzogen. Durch eine Freundschaft zu einem katholischen Mädchen, kam sie dem katholischen Glauben näher, ihr gefielen die schönen Lieder, die man in der Kirche sang und sie lernte viele katholische Gebete.
Es kam der 7. Mai 1945, da gab es nach der Befreiung in Amsterdam ein großes Fest. Tante Marie und Onkel Kees sagten ihr, dass der Krieg vorbei sei und nun bald ihre Eltern kämen um sie zu holen. Rita betete zu Gott, dass sie bei Tante Marie bleiben durfte, sie hatte keinen Bezug mehr zu ihren Eltern, sie wollte Tante Marie beschützen und bei ihrem Bruder Wim bleiben. Zwei Wochen später klingelte es an der Haustür und ihre Eltern kamen, um sie abzuholen. Rita wollte nicht mitgehen mit den fremd-gewordenen Eltern, aber es half nichts, sie wurde weggeholt von ihrem damaligen Zuhause.
Rita verlor den Glauben an Gott, weil er ihr in dieser Situation nicht geholfen hatte. Von Tante Marie und Onkel Kees hörte sie nichts mehr, es gab kein Telefon und zu Fuss war es zu weit. Zwei Monate später erfuhr Rita, dass Inge, das Baby von Marie zur Welt gekommen war. Für Rita war Inge die neue Schwester.
Die Geschichte von Rita Degen hat mich sehr bewegt, auch wenn sie grundsätzliche Unterschiede zum Leben der Anne Frank aufweist:
- Rita Degen hat überlebt - Anne Frank starb im März 1945 im Kz Bergen-Belsen an Typhus
- Rita Degen versteckte sich bei verschiedenen Familien - Anne Frank lebte 2 Jahre mit ihrer Familie im Hinterhaus in Amsterdam
- Rita Degen kam mit 5 Jahren zu einer fremden Familie - Anne Frank war 13, als sie ins Hinterhaus zog
- Rita Degen verstand als kleines Mädchen nicht, was es bedeutete Jüdin zu sein - Anne Frank beschrieb im Tagebuch viele tagespolitische Ereignisse, sie begriff, was es hieß, Jüdin zu sein.
- Rita Degen hatte hellblondes, langes Jahr (untypisch jüdisch) - Anne Frank dunkelbraunes Haar
- Rita Degen wurde nie von den Nazis gefunden - Anne Frank kam ins Arbeitslager Westerbork, danach ins Vernichtungslager Auschwitz und von dort ins KZ Bergen-Belsen
- Rita Degen hat die Erinnerung an ihre Eltern verloren, weil sie noch sehr jung war - Anne Frank war und blieb immer sehr eng verbunden mit ihren Eltern und ihrer Schwester Margot
Rita mit "Bruder" Wim
Rita mit ihrer Mutter Bertha

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